Gefahr Wildunfälle – Wie verhalte ich mich richtig?

von • 08.11.2017 • Allgemein, TippsComments (0)429

Wildunfälle können zu jeder Tages- und Jahreszeit passieren und auch an Straßenabschnitten, wo kein Warnschild steht. Im Herbst steigt die Gefahr, denn einige Wildtiere wie Rot- oder Schwarzwild befinden sich in der Paarungszeit. Im Hormonrausch sind die Tiere unvorsichtiger, wenn sie unterwegs sind. Hinzu kommt, dass in dieser Jahreszeit die Dämmerung früher einsetzt und sich damit allgemein die Sicht verschlechtert.

Wie aus der veröffentlichten Wildunfall-Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht, steigt die Zahl der gemeldeten Wildunfälle weiter an. 264.000 Fälle waren es im Jahr 2016, das sind 1.000 mehr als im Vorjahr. 12.109 Wildunfälle stehen 2016 in Sachsen zu Buche. Mensch und Tier kommen sich also in ihren Lebensräumen zunehmend in die Quere.

Eine erhöhte Aufmerksamkeit und das Wissen, was bei einer tierischen Begegnung zu tun ist, können dabei helfen, schwerwiegende Folgen zu verhindern. Unter www.polizei.sachsen.de gibt die sächsische Polizei ausführliche Tipps, wie man sich in solchen Fällen angemessen verhalten soll.

Zusammengefasst sollte man folgendes beachten:

•    Angemessenes und angepasstes Fahrtempo einhalten.
•    Bei Wildsichtung abblenden und hupen, um die Tiere zu verscheuchen.
•    Langsam und vorsichtig weiterfahren, da bei Rudeltieren mit Nachzüglern zu rechnen ist.
•    Ist eine Kollision unvermeidlich, Lenker festhalten, Notbremsung einleiten, geradeaus fahren und keine unkontrollierten Ausweichmanöver durchführen.

Riskante Ausweichmanöver vermeiden

In der Schrecksekunde vor einem möglichen Zusammenstoß ist es nur allzu menschlich, die Kollision verhindern zu wollen. Instinktiv reißt man das Lenkrad herum um dem Hindernis auszuweichen. Nein heißt hier die Devise: Ein sicheres Ausweichmanöver ist ja keineswegs immer garantiert. Gerade bei höherer Geschwindigkeit muss man höllisch aufpassen, dass man beim Ausweichen nicht mit einem anderen Auto oder einem Baum kollidiert. Das birgt in der Regel meist größere Gefahren als die Kollision mit einem Tier. Aber klar: Es kann auch Situationen geben, in denen das Ausweichen unumgänglich oder vielleicht zumindest die bessere Handlungsalternative ist.

Übrigens: Keine Vollbremsung oder Ausweichmanöver bei Kleintieren wie Hasel, Igel, Katze, Frosch oder Fuchs. Wer dadurch einen Auffahrunfall verursacht, macht sich schuldig. Für den Gesetzgeber handelt es sich dabei um eine verbotene, grundlose Vollbremsung. Führt ein solches, nicht notwendiges Ausweichmanöver zu einem erheblichen Schaden, riskiert man außerdem seinen Versicherungsschutz. Von der potentiellen Gefahr für Leib und Leben ganz zu schweigen.

Sieben Verhaltenstipps nach einem Wildunfall:

1.    Ruhe bewahren; Warnweste anziehen, Warnblinklicht einschalten, Unfallstelle mit Warndreieck sichern.
2.    Die Polizei benachrichtigen, ggf. Verletzte versorgen.
3.    Ein verletztes oder getötetes Tier nicht anfassen.  (Verletzungs- und Infektionsgefahr) – Das Bergen des Tieres ist Aufgabe des Försters oder Jagdpächters.
4.    Wildunfallbescheinigung vom Förster oder Jagdpächter ausstellen lassen.
5.    Namen und Adressen von Unfallzeugen notieren.
6.    Fotos vom Unfallort, vom Tier und vom Fahrzeug machen. Das ist hilfreich für eine schnelle Schadenbearbeitung.
7.    Den Schaden melden, bevor das Fahrzeug repariert wird. (Schadenhotline 0351 4235-777)

Strafbar ist übrigens:

•    Das tote Tier mitnehmen – Tatbestand der Wilderei.
•    Das Tier ohne Meldung liegenlassen und weiterfahren – Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Wie kann man sich absichern?

Für Schäden am eigenen Fahrzeug zahlt bei Wildunfällen die Teilkaskoversicherung. Viele Versicherungen zahlen nur bei Unfällen mit sogenanntem Haarwild. Welche Tiere unter den Begriff Haarwild fallen, ist in Paragraf 2 des Bundesjagdgesetzes geregelt beispielweise Rehe, Hirsche, Wildschweine.  Daher sollte man prüfen, dass in der eigenen Police Unfälle mit Tieren aller Art eingeschlossen sind. Dann erst zahlt die Teilkasko auch bei Schäden aus Zusammenstößen beispielsweise mit einem Wolf, einem Hund oder mit Nutztieren wie Kuh oder Pferd.

Bei Schäden, die daraus resultieren, dass man einem Tier ausgewichen ist, kommt es beim Versicherungsschutz der Teilkasko darauf an, ob man die Wildbegegnung beweisen kann mittels Kameraaufzeichnungen, Wildspuren oder Zeugen. Deshalb ist man mit einer Vollkasko auf der sicheren Seite. Diese zahlt sämtliche Schäden am Fahrzeug. Auf den Schadenfreiheitsrabatt hat ein Wildunfall keinen Einfluss!

Die Kfz-Haftpflichtversicherung kommt für Beschädigungen am Eigentum Dritter auf z. B. für beschädigte Leitplanken oder andere Fahrzeuge. Tipp: Ein Jäger hat keinen Schadensersatzanspruch für das getötete oder verletzte Tier, denn Wild ist herrenlos. Er darf auch keine Gebühr für das Beseitigen des Kadavers verlangen.

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