Wie sind Fahrgemeinschaften versichert

von • 28.03.2018 • Allgemein, TippsComments (0)648

Berufspendler, Reisende oder ein Kollegenkreis – immer mehr Menschen tun sich zusammen, um eine automobile Fahrgemeinschaft zur Arbeit oder von A nach B zu bilden. Kosten, Umweltschutz, Mängel im öffentlichen Verkehrsangebot oder auch nur Gesellschaft bei langen Fahrten – es gibt viele Gründe, gemeinsam unterwegs zu sein.

Wird eine Fahrgemeinschaft in einen Unfall verwickelt, stellt sich für Fahrer und Mitfahrer die Frage: Wer haftet wann, für wen und was? Vorab gesagt: Eine spezielle Versicherung braucht eine Fahrgemeinschaft – sofern nicht gewerblich betrieben – nicht. Folgende Versicherungen greifen:

Der Fahrer verursacht einen Unfall
Verursacht der Fahrer des Pkw schuldhaft einen Unfall, sind Schadenersatzansprüche aller Unfallopfer einschließlich der Mitfahrer grundsätzlich über die Kfz-Haftpflichtversicherung des Fahrzeuges abgesichert. Es gelten die im Vertrag vereinbarten Versicherungssummen. Versichert sind Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Auch Schmerzensgelder gehören dazu. Da bei schweren Unfällen mit vielen Personenschäden schnell hohe Summen zusammenkommen, sollte die Deckungssumme höher als die gesetzlich vorgeschriebene von 7,5 Millionen Euro für Personenschäden angesetzt werden. Aber – der Fahrer selbst erhält keine Leistungen aus der Kfz-Haftpflichtversicherung.

Wird bei einem Unfall beispielsweise das Reisegepäck beschädigt, zahlt die Kfz-Haftpflichtversicherung nicht. Diese Kosten muss man selbst innerhalb einer Reisegepäck– oder Hausratversicherung versichern oder vom Fahrer einfordern. Versicherungsschutz besteht jedoch für Sachen, welche die Mitfahrer üblicherweise mit sich führen. Dazu gehören z.B. die Kleidung oder die Brille, welche die Mitfahrer tragen.

Wenn der Fahrer den Unfall nicht verschuldet hat
Mit der Reform des Schadensersatzrechts im Jahr 2002 wurde auch ein Anspruch auf Schmerzensgeld aus reiner Gefährdungshaftung eingeführt. Das gilt für Fälle, in denen der Fahrer zwar den Unfall verursacht hat, ihn selbst aber keine Schuld triff, z.B. bei einem geplatzten Reifen oder einem Herzinfarkt am Steuer. Die Kfz-Haftpflichtversicherung zahlt hier ebenfalls für die Mitfahrer.

Lediglich dann, wenn „höhere Gewalt“ zum Unfall führte, also der Autofahrer z.B. durch einen Blitzschlag die Lenkung verreißt und hierdurch ein Schaden entsteht, bestehen weder ein Schmerzensgeld- noch ein Schadenersatzanspruch.

Auf Nummer sicher mit Haftungsbeschränkungs-Erklärung
Will man als Fahrer auf Nummer sicher gehen, kann man sich von den Mitfahrern eine Haftungsbeschränkungs-Erklärung unterzeichnen lassen. Diese schützt den Fahrer vor Ansprüchen der Mitfahrer, die über die Leistungen seiner Versicherung hinausgehen. Die Formulare dafür gibt es bei Automobilclubs als Downloadformular.

Aus Sicht eines Mitfahrers ist eine Haftungsbeschränkungs-Erklärung kritisch zu sehen. Ggf. könnten gerade bei schweren Verletzungen die Kosten für Behandlung und Rehabilitation sehr hoch sein und die Versicherungssumme überschreiten. Im Extremfall, auch wenn dieser eher unwahrscheinlich ist, bliebe man als Mitfahrer auf den zusätzlichen Kosten sitzen.

Für Wegeunfälle zahlt die gesetzliche Unfallversicherung
Unfälle, die sich auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause ereignen, sind Wegeunfälle. Hier tritt die gesetzliche Unfallversicherung ein und übernimmt die Kosten für Heilbehandlungen, Berufshilfe, Sterbegeld, Verletzten- und Hinterbliebenenrente. Ihre Regularien gelten auch für Fahrgemeinschaften. Voraussetzung ist jedoch immer, dass der direkte Weg zur Firma gewählt wurde. Dazu zählen natürlich auch die Strecken, die zum Abholen der einzelnen Mitfahrer zurückgelegt werden. Umwege, wie der schnelle Einkaufsstopp zwischendurch, kosten den Versicherungsschutz! Zu beachten ist: Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt nicht für Sachschäden oder Schmerzensgeld.

Über die gesetzlichen Versicherungen hinaus, sollte jeder Beteiligte prüfen, was für ihn privat an weiterer Absicherung sinnvoll und nötig ist.

Die Fahrerschutzversicherung
Der Baustein Fahrerschutz leistet bei einem Personenschaden des Fahrers des versicherten Fahrzeuges – auch bei einem selbstverschuldeten Unfall. Sie zahlt u. a. auch Schmerzensgeld, Verdienstausfall und Folgekosten. Eine Fahrerschutzversicherung ist sinnvoll, wenn keine private Unfallversicherung besteht.

Unfälle in der Freizeit können immer und überall passieren, nicht nur im Straßenverkehr. Eine private Unfallversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist daher aufgrund des generellen Schutzes – über Verkehrsunfälle hinaus – sinnvoll.

Was sollte man noch bedenken
Um die Fahrgemeinschaft friedlich zu halten, sollte man sich vorab auch darüber einigen, wie man z. B. mit den Kosten für Bußgelder, z.B. bei Blitzern, umgeht.

Für die Berechnung anteiliger Betriebskosten aller Beteiligten lohnt es sich, ein Fahrtenbuch zu führen. Neben dem Tankinhalt fallen auch Ölverbrauch, Autowäschen, Reparaturen, Inspektionen, Verschleiß und Steuern in diese Kategorie. Geeignete Vordrucke gibt es bei den verschiedenen Autoclubs.

Wir wünschen allzeit gute Fahrt.

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