Versicherungen in der Steuererklärung richtig absetzen

von • 01.02.2018 • Allgemein, TippsComments (0)1197

Ob Sie dazu verpflichtet sind oder nicht – für die meisten Arbeitnehmer lohnt es sich, eine Steuererklärung abzugeben. Im Schnitt gibt es vom Staat um die 900 Euro zurück. Sie sind skeptisch, ob das auch auf Sie zutrifft? Vielleicht glauben Sie ja, keine steuerlich relevanten Ausgaben zu haben.

Dabei gibt es steuermindernde Aufwendungen, die fast jeder geltend machen kann: Versicherungsbeiträge. Dazu zählen sowohl die Versicherungen, zu denen Sie gesetzlich verpflichtet sind als auch privat abgeschlossene Policen. Diese können – leider nur in begrenzter Höhe –  per Steuererklärung als Vorsorgeaufwendungen bzw. Sonderausgaben geltend gemacht werden.

Hierunter fallen:

  • Beiträge zur Altersvorsorge
  • Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung
  • sonstige Versicherungen der privaten Vorsorge

Beiträge zur Basis-Altersvorsorge
In diese Kategorie gehören Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zu Versorgungswerken, Alterskassen sowie zur Rürup-Rente. Für Ledige werden maximal 23.362 Euro (2017) und für Verheiratete 46.724 Euro (2017) anerkannt. 2017 setzt das Finanzamt 84 Prozent* der geleisteten Altersvorsorgebeträge steuermindernd an. Das wären höchstens 19.624 Euro / 39.248 Euro.

Zusätzlich könnten Sie jährliche Riester-Einzahlungen – bis zur Höchstgrenze von 2.100 Euro – in Ihre Steuererklärung eintragen. Relevant sind Ihre eigenen Zahlungen und die staatlichen Zulagen.

* Im Zuge nach nachgelagerten Renten-Besteuerung steigt der steuermindernde Prozentsatz jährlich um 2 Prozent und damit bis zum Jahr 2025 auf maximale 100 Prozent an.

Kranken-  und Pflegeversicherungen
Hierzu zählen die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung sowie private Kranken- und Krankenzusatzversicherungen. Wer sich um seine Pflegevorsorge kümmert und eine Pflegezusatzversicherung oder eine Pflegetagegeldversicherung abschließt, kann die monatlichen Beiträge ebenso von der Steuer absetzen.

Das klingt verlockend. Steuerzahler müssen dabei allerdings mit zwei Einschränkungen leben:

  • Beamte und Angestellte können grundsätzlich Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung nur bis zu einer Summe von höchstens 1.900 Euro (Verheiratete das Doppelte) pro Jahr in der Steuererklärung als Vorsorgeaufwendung eintragen. Wer also so viel verdient, dass alleine schon die Beiträge zur Krankenversicherung die 1.900 Euro ausschöpfen, geht in Sachen Kranken- und Pflegezusatzversicherung absetzen leer aus.
  • Wer freiwillig eine zusätzliche Pflegeversicherung abschließt, kann die Beiträge nur bis zu einem Höchstbetrag von 184 Euro pro Jahr als Sonderausgaben absetzen.

Sonstige Versicherungen
Der Gesetzgeber berücksichtigt nur Policen, die Ihre persönliche Lebensrisiken als Steuerzahler abdecken. Hier eine Auswahl der Häufigsten:

  • Arbeitslosenversicherung
  • Zahnzusatzversicherung
  • Haftpflichtversicherung
  • Kfz-Haftpflichtversicherung
  • Erwerbs-/Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Unfallversicherung (für den Bereich Freizeit)
  • Risikolebensversicherung
  • Kapitallebensversicherung (wenn Sie vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurde)
  • Sterbegeldversicherung (unter bestimmten Voraussetzungen, z. B. Leistung nur im Todesfall)

Halt! So freigiebig ist Vater Staat nun auch nicht. Das Ansetzen der einen oder anderen, hier aufgezählten Versicherungen, wird in den wenigsten Fällen zu einer weiteren Steuerminderung führen. Denn der abzugsfähige Höchstbetrag für Vorsorgeaufwendungen (ledig: 1.900/verheiratet: 3.800 Euro) ist ja oft schon mit der Basiskranken- und gesetzlichen Pflegeversicherung erreicht. Schade. Dafür berücksichtigt das Finanzamt diese aber stets in tatsächlicher Höhe, auch wenn sie den Höchstbetrag übersteigen.

Beruflich bedingte Verträge werden in der Regel in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten angegeben. Dazu zählen u. a.:

  • Unfallversicherung (für den Bereich Arbeit)
  • Berufshaftpflichtversicherung
  • Arbeitsrechtsschutzversicherung bzw.
  • Berufsrechtsschutzversicherung

Noch ein Tipp:
Belege müssen Sie 2017 nicht mehr einreichen. Bewahren Sie jedoch alle Belege auf, falls das Finanzamt nachfragt. Bei Positionen, die man zum ersten Mal absetzen will z. B. eine Zweitwohnung oder in der Rubrik außergewöhnliche Belastungen geltend machen will, sollte man die Belege vorsorglich mit einreichen. Das spart Zeit und ist auch per E-Mail möglich.

Das deutsche Steuerrecht ist komplex und eine Steuererklärung vom Format eines Bierdeckels noch weit entfernt. Deshalb haben wir uns in diesem Artikel auf V wie Versicherungen beschränkt. Natürlich können Sie weitere Ausgaben von A wie Arbeitsweg bis Z wie zusätzliche Aufwendungen z. B. Unterhalt steuermindernd angeben. Ihre Mühe ist bares Geld wert.

Weitere Tipps und Informationen zur Steuererklärung finden Sie auch in unserem Blogartikel „Fit für die Steuererklärung„.

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