Was Ihr Auto alles über Sie weiß

von • 08.02.2018 • Allgemein, TippsComments (0)920

Moderne Autos sammeln und speichern große Mengen an Daten.Viele davon werden direkt an die Autohersteller gesendet und von diesen gespeichert. Die Bordelektronik erfasst z. B. den Kraftstoffverbrauch, die gefahrenen Kilometer, den Reifendruck, die Lenkbewegungen oder das Brems- und Anschnallverhalten. Wenig überraschend ist, dass die Hersteller wissen, wo das Auto unterwegs ist. Mittels eingebauter Navigationssysteme können detaillierte Bewegungsprofile erstellt werden.

Sie werden staunen, was Ihr Autohersteller sonst noch über Sie weiß:

1. Ob Sie zugenommen haben

Autositze erkennen nicht nur, ob sie belegt sind, sondern messen das Gewicht von Fahrern und Passagieren so genau wie Ihre Waage zuhause.

2. Die Telefonnummern Ihrer Freunde und Kollegen

Wird das Smartphone mit der Multimedia-Einheit des Autos verbunden, können die Namen, Anschriften, Telefonnummern und E-Mail-Adressen übertragen und ausgelesen werden.

3. Wo Sie vor Monaten geparkt haben

Sie haben vergessen, wo das Auto steht? Dann rufen Sie doch bei BMW an: Die i3-Modelle speichern gleich die 100 letzten Abstellpositionen des Autos.

4. Ob Sie mit den Leasing-Raten im Rückstand sind

Wer einen Renault Zoe und die dazugehörigen Batterien geleast hat, sollte seine Raten immer pünktlich bezahlen – andernfalls kann der Autohersteller das Aufladen der Batterien verhindern und das Auto so stilllegen.

5. Wie oft Sie müde sind

Aufmerksamkeits-Assistenten analysieren auch kleinere Lenkbewegungen und registrieren so schon erste Anzeichen für eine Übermüdung.

6. Wie viele Fahrer mit Ihrem Auto unterwegs sind

Ein 3er-BMW zeichnet auf, wie oft ein elektrischer Fahrersitz verstellt wird. Das erlaubt Rückschlüsse auf die Zahl der Fahrer.

7. Ob Sie vorsichtig oder aggressiv fahren

Einige Systeme registrieren, wie oft die Gurte gestrafft wurden – und merken so, wie oft der Fahrer stark bremst. Hohe Drehzahlen und hohe Motortemperaturen werden auch aufgezeichnet – ebenso, wie oft und wie lange im Eco- oder im Sportmodus gefahren wird.

8. Welche Musik Sie hören – und wie laut

Nicht nur die Radiostationen, sondern auch die Lautstärke und die eingelegten CDs und DVDs sind für Autohersteller von Interesse.

9. Ihren Herzschlag und Ihre Atemfrequenz

Die neueste Generation von Autositzen messen Herzrhythmus, Pulsschlag und Atmung und bieten dem Fahrer ein dazu passendes „Wellness-Programm“. Verknüpft werden die Daten mit Fitness-Trackern und Sportuhren – nach dem Sport gibt es ein anderes Programm als nach einem langen Tag im Büro.

Auto wird rollendes Smartphone

Sollten Sie sich ab April 2018 ein neues Auto kaufen, hat dieses schon standardmäßig das automatische Notrufsystem eCall eingebaut. Sie fahren dann quasi ein rollendes Smartphone, denn dieser Lebensretter funktioniert über eine vernetzte Internetverbindung. Und die kann Daten permanent senden und empfangen. Das hat sein Gutes:  Retter kommen früher an die Unfallstelle, Verletzten wird schneller geholfen und mehr Unfallopfern als heute kann das Leben gerettet werden. Weil das so wichtig ist, gibt es für ältere Fahrzeuge übrigens einen Unfallmeldestecker als eCall-System zum Nachrüsten. Denn gerade bei einem schweren Unfall kann intelligente Technik eingreifen, wenn der Mensch selbst nicht mehr handeln kann.

Streitfrage: Wem gehören die Daten?

Mit zunehmender Datenmenge nimmt eine alte Streifrage wieder Fahrt auf: Wem gehören eigentlich diese Daten? Den Autoherstellern, den Versicherern, Werkstätten, Automobilclubs oder den Fahrern? Fakt ist, die Fahrer sollten die Hoheit über ihre Daten haben. Oder? Man möchte schon selbst bestimmen können, welchem Partner man seine Daten übermittelt. Wer beispielsweise in der Kfz-Versicherung von einem Telematik-Tarif preislich profitieren möchte, entscheidet sich ganz bewusst, damit Daten über die eigene Fahrweise an einen Versicherer weiterzugeben und zwar nur für diesen Zweck.

Datenschutzkampagne #data4drivers gestartet

Jeder, der sich hinters Lenkrad setzt und auf seine Datensouveränität Wert legt, kann sich jetzt an der Datenschutzkampagne #data4drivers beteiligen. Sie wurde vom europäischen Dachverband Insurance Europe gestartet. Auf der Website www.data4drivers.eu können Sie eine Online-Petition unterzeichnen, in sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #data4drivers Ihre Datenhoheit einfordern oder Sie können sich an die Abgeordneten auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene wenden. Ziel ist, dass die Europäische Union handelt und eindeutige gesetzliche Regelungen für den Umgang mit Autofahrerdaten auf die Straße bringt.

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