7 Charakterstärken, die das Leben verlängern

von • 05.04.2018 • Allgemein, TippsComments (0)824

Was uns körperlich stärkt und gesund hält, wissen die meisten. Aber was hält uns seelisch gesund, macht uns glücklich? Damit beschäftigt sich die positive Psychologie. Das ist ein spezieller Forschungszweig innerhalb der Psychologie. Im Gegensatz zu dieser untersucht die positive Psychologie nicht die Defizite der menschlichen Psyche, sondern die Stärken.

Welche Charaktereigenschaften helfen uns? Was bewirken diese Eigenschaften in uns? Und vor allem: welchen Einfluss haben sie auf unser Leben? 24 positive Charaktereigenschaften fanden die Wissenschaftler, die auf unsere Lebenszufriedenheit und unser Glückskonto einzahlen.

Sieben von ihnen können sogar das Leben verlängern:

1. Neugier
Kinder stellen bis zu 400 Fragen am Tag. Wer sich auch als Erwachsener eine große Portion Neugier bewahrt, gibt seinem Leben Sinn und Ziele. Sich mit einem neuen Thema beschäftigen, auf Reisen gehen, eine Sportart ausprobieren: Wissensdurst fordert uns geistig und körperlich, macht gesellig und glücklich. Neugier ist ein täglicher Motivator und Gegner von Langweile und Einsamkeit. Und sie verlängert das Leben. Ratten, die ein wissbegieriges Gemüt an den Tag legen, besitzen eine um 25 Prozent höhere Lebenserwartung als ihre desinteressierten Artgenossen. Eine Langzeitstudie mit Menschen zwischen 60 und 86 Jahren ergab: Neugierige Probanden lebten wesentlich länger – und das unabhängig von Risikofaktoren wie Herzkrankheiten. Selbst auf die Entstehung von Alzheimer hat die Neugierde Einfluss. US-amerikanische Psychologen konnten belegen, dass sie die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, senkt. Denn packt uns die Neugier, werden wichtige Botenstoffe wie Dopamin ausgeschüttet.

2. Weitsicht
Menschen mit Weitsicht denken nicht nur an das Hier und Jetzt, sondern fragen sich auch: Welche Auswirkungen hat mein heutiges Handeln auf die Zukunft? Sie pflegen Freundschaften und beugen so der Einsamkeit im Alter vor. Um auch später fit zu sein, treiben sie Sport und ernähren sich gesund. Sie bilden sich weiter und lernen ein Leben lang, um beruflich aufzusteigen und geistig munter zu bleiben. Und sie planen ihren Ruhestand nicht erst am letzten Arbeitstag.

Zahlreiche Studien belegen, dass viele Schieflagen im Alter vermeidbar sind, wenn man gewisse Dinge schon frühzeitig anpackt. Wer bereits als junger Mensch mit dem Rauchen anfängt, vergibt unter Umständen 20 Lebensjahre. Menschen, die lange Jahre übergewichtig sind, vervierfachen ihr Risiko auf eine Typ 2-Diabetes. Wer sich dagegen kontinuierlich geistig fordert, kann den Beginn einer Demenz um bis zu sieben Jahre hinauszögern.

3. Lebenskraft und Enthusiasmus
Wer das Leben liebt, ist vital und zupackend, sprüht vor Energie und kommt mit Stress besser klar. Nicht selten paart sich das mit einem gesunden Lebensstil, mit Kontaktfreudigkeit und einer ausgeglichenen Seele. Der Zusammenhang zwischen Glück, Gesundheit und Lebenserwartung ist vielfach belegt. In einer Langzeitstudie am University College London wollten die Forscher wissen, ob die Teilnehmer Freude an ihrem täglichen Tun haben und ob sie mit Freude auf ihr Leben zurückblicken. Wer beides mit Ja beantwortete, besaß – während der siebenjährigen Studie – eine um 24 Prozent reduzierte Sterbewahrscheinlichkeit gegenüber den unglücklichen Probanden.

Die Universität Heidelberg befragte Hundertjährige nach ihrer Einstellung und fand auch einen Zusammenhang zwischen dem hohen Alter und Lebensfreude: 80 Prozent der Hochbetagten berichteten, ihr Leben stets in vollen Zügen genossen zu haben.

Auch der Enthusiasmus, die Fähigkeit für etwas zu brennen, Dinge aus voller Leidenschaft zu tun, hilft uns insgesamt, das Leben zu genießen. Es ist egal, wofür man sich begeistert, ob Sport oder Handarbeit oder wie gut man das kann. Die Begeisterung an sich ist ein lebensbejahendes Gefühl bis ins hohe Alter. Und übrigens: Perfektionismus kommt oft der Lebensfreude in die Quere.

4. Ausdauer
Menschen mit Ausdauer verfolgen diszipliniert ihre Ziele, lassen sich nicht von Hindernissen beirren und besitzen Strategien gegen den inneren Schweinehund. In ihrem Buch „Die Long-Life-Formel“ zeigen die US-Forscher Howard Friedman und Leslie Martin, dass Zielstrebigkeit ein entscheidender Faktor der Lebenserwartung ist. Die Gründe sind vielfältig: Menschen mit Ausdauer leben gesünder und gehen weniger Risiken ein. Sie schlafen besser und haben eine robustere Seele. Ihre Ehen sind oft glücklicher, ihre Arbeitsverhältnisse stabiler. Welche Ziele wir verfolgen – ein Haus bauen oder Klavierspielen lernen – ist dabei egal. Jeder, der beharrlich sei, könne zusätzliche Lebensjahre gewinnen, schreiben Friedman und Martin.

5. Bindungsfähigkeit und Liebe
Familie, Freunde oder einfach nur nette Nachbarn: Soziale Beziehungen geben uns Sicherheit und Kraft. Sich auf andere Menschen einlassen zu können und innige Verhältnisse zu pflegen, kann dabei sogar überlebenswichtig sein. So berechneten Forscher der Brigham Young University, dass Einsamkeit genauso schädlich ist wie der Konsum von 15 Zigaretten pro Tag – und doppelt so schlecht wie Übergewicht. Wer hingegen gut sozial eingebunden ist, steigert seine Lebenserwartung um satte 50 Prozent.

6. Hoffnung
Wer diese Stärke besitzt, blickt positiv in die Zukunft. Auch in schwierigen Situationen verlässt einen nicht der Glaube an eine Wende zum Guten. Hoffnungsvolle Menschen sind aktiver und stressresistenter, werden schneller gesund und kommen besser mit Rückschlägen zurecht. Eine Studie an der University of Illinois ergab, dass ältere Optimisten weitaus seltener an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einem Schlaganfall leiden als ihre pessimistischen Zeitgenossen. Noch eindrücklicher ist die sogenannte Nonnenstudie: Ordensschwestern mit einem sonnigen Gemüt lebten ganze sieben Jahre länger.

7. Humor
Humor ist, wenn man trotzdem lacht – schrieb schon im 19. Jahrhundert der deutsche Lyriker Otto Julius Bierbaum. Menschen mit Humor begegnen schwierigen Situationen mit Leichtigkeit und Witz; bei Fehlern und Missgeschicken können sie auch mal über sich selbst lachen. Stress verarbeiten sie besser als Miesmuffel oder lassen diesen gar nicht erst aufkommen. Dass Humor auch eine positive Wirkung auf die Lebenserwartung hat, zeigten norwegische Mediziner in einer Studie: Teilnehmer, die nicht immer alles bierernst nahmen, hatten ein geringeres Risiko eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Krebs zu bekommen.

Die Quintessenz der positiven Psychologie lautet: Nicht mit den Schwächen hadern, sondern sich der eigenen Stärken bewusst werden und diese dann richtig einsetzen. Wer seine Wesensmerkmale herausfinden will, kann unter www.charakterstaerken.org Fragebögen der Universität Zürich ausfüllen und bekommt anschließend sein Ergebnis. Und auch diese These vertritt die positive Psychologie: Ähnlich wie sich der Körper durch Sport verändert, lässt sich auch der Charakter durch Training ausformen und verbessern – für ein gelingendes, langes Leben.

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